Jugendsünden?

Oh man, ich bin gerade absolut sprachlos. Ich habe nichtsahnend eine CD mit der Aufschrift »Sicherung 30.05.05« (also 2005!) in das Laufwerk meines Macbooks gelegt und einfach mal geschaut, was ich damals für sicherungswert hielt. Unter anderem fand ich dabei (m)eine alte Website, die ich damals, mit meinen 15 Jahren, ins Netz stellte. Erstmal habe ich mich furchtbar geschämt, aber dann fand ich auf eben jener Website versteckt Gedichte.

Ja, richtig, ich habe mit 14 oder 15 bereits Gedichte geschrieben. Ich konnte mich selbst kaum daran erinnern, deswegen las ich einige davon. Bereits nach dem dritten oder vierten wurde mir klar, dass ich (vor allem nach außen hin) ein sehr depressiver und einsamer Teenager gewesen sein muss. In dem Alter selbst durchlebt man das ja sowieso immer ganz anders, aber mit etwas Abstand (und den habe ich nach über 10 Jahren nun) sieht man das Ganze durch die Brille eines mehr oder weniger anderen Menschen, in meinem Fall als Erwachsener. Und ja, ich bin wirklich geschockt davon, was ich damals ins Netz gestellt habe.

Damit ihr euch eine Vorstellung machen könnt, wovon ich spreche, möchte ich euch hier ein paar der Gedichte zitieren, welche ich mit meinen damals 15 Jahren geschrieben habe.

Glück (22. April 2005)

Sie spricht über Glück und wie schnell es verwirkt, sie philosophiert darüber wo es sich verbirgt.

Sie versucht es zu finden
doch sie kann es nicht.
Es ist sinnlos Zeit zu schinden,
egal aus welcher Sicht.

Glück kann man nicht begreifen,
Es ist einfach da.
Glück ist die größte Macht auf Erden,
Es ist einfach wunderbar.

Man hat es - oder nicht.

Hier ein etwas längeres Exemplar, das ich persönlich eigentlich sehr mag, weil es sehr bildlich ist – aber dadurch auch irgendwie schlimmer als das vorhergehende:

Verwandlung (22. April 2005)

Ich bin eingehüllt in meinem warmen Kokon.
Ich fühle mich sehr wohl und hoffe es endet nie.
Das Gefühl, geborgen zu sein.
Etwas passiert, alles wird sich bald ändern; ich spüre es.
Panisch versuche ich hinauszugelangen
doch es passiert einfach nichts.

Auf einmal kracht eine Welt zusammen,
eine Welt die ich mir geschaffen hatte.
Alles was sie beinhaltete hielt ich für richtig und gut.
Doch mit einem Schlag ist alles weg.

Was ist das für eine Macht?

Ich werde wahnsinnig wenn ich nur daran denke
alles zu verlieren was ich je hatte.
Alles, jeden, ... einfach alles.

Doch dann, ganz still und leise,
wird mir eines bewusst:
Wer ich bin. Was ich bin.

Ich bin auch nur ein Mensch.
Menschen können das Schicksal nicht beeinflussen,
egal was sie tun. Menschen können vieles.
Doch eines nicht:

Menschen können ihre Verwandlung
weder beeinflussen noch verlangsamen,
beschleunigen oder stoppen.

Ich habe sogar auf Englisch (und auch eines auf Spanisch!) geschrieben! Eines der englischen Gedichte möchte ich euch noch zum Lesen mitgeben – auch, wenn es (noch) etwas länger ausfällt und das meiner Meinung nach brutalste dieser Reihe:

Failed try (21. April 2005)

I've been trying all my life
I tried so hard, but I couldn't find,
The answers... the answers of all my questions.
The questions I have in my dreams.

Question one: Who's the human in my dreams?
You, the human I see in my dreams
Circled of bright shining light
Every night.

Day in, day out I see more clear
I can't find you 'cause such a human
Which I dreamt of
Doesn't exist, had never existed.

You ask what a human that could be?
It's a human who understands my deepest thoughts and feelings
Without losing just one word.
It's a human who doesn't tell everyone to know me.
It's a human who loves me the way I am.

Question two: Why won't they leave me alone?
It freaks me out, they make me sick.
I try to get away but I can't
Can't run, can't hide.

I look around me
And all I can see is deep blackness.
Nothing is around me, nothing.
I feel so empty, a part of the puzzle in me is missing.

You ask what a puzzle that could be?
It's a puzzle which shows my structure clearly
Without forgetting one part of me.
It's a puzzle which is incomplete.
It's a puzzle which shows you the way I am.

Question three: Anyway, is there anyone who loves me?
I can't believe my own sadness,
My own solitude.
How could I become this sort of strange?

I know, they say it every day
I'm a pessimist and someday
This pessimism will kill me,
Someday I'll be dead 'cause I've killed myself.

You ask what a death that could be?
It's a death of righteousness
Without any regrets or anything.
It's a death where you can live forever,
A death so-called suicide.

And now you'll hopefully see
What's in my thoughts,
What my feelings are like,
For you.

And one day I'll hopefully see
That the way I chose,
Was the worst decision I've ever made,
For me.

And then I'll see,
I've failed not only just a try,
I've failed my whole life.

And why?
The reason is you.

Ich könnte jetzt noch einige dieser Gedichte zitieren, aber ich denke ihr wisst, worauf ich hinaus möchte.

Jeder schreibt oder sagt Dinge, die er später einmal bereut. Ich weiß nicht genau, ob ich es bereue, die oben zitierten Zeilen vor Jahren geschrieben zu haben. Aber ich hoffe, dass diejenigen, die mich dazu getrieben haben vielleicht irgendwann einmal verstehen, was sie in ihrer bzw. meiner Jugend eigentlich angestellt haben.

Es heißt immer, Mobbing sei doch nicht so schlimm. Aber im Nachhinein, wenn ich all diese Zeilen so lese (und von den Gedichten gibt es noch einige), dann fühle ich mich fast wieder wie 15. Und weiß, warum ich all dies schrieb. Und ich sage euch, das ist kein schönes Gefühl.

Mittlerweile bin ich ganz gut darüber hinweg und es berührt mich definitiv nicht mehr so wie damals, aber hart ist es irgendwie dennoch, wieder in Erinnerung gerufen zu bekommen, dass es mir damals wirklich, wirklich schlecht ging.

Sagt mal: Wie siehts bei euch aus? Bereut ihr Dinge, die ihr in eurer Jugend getan habt? Wenn ja, was?

(Headerbild: Ich, auf dem Scanner, in etwa der Zeit, in der ich diese Gedichte schrieb.)

Katharina

Ich bin Jahrgang ‘89, »digital native« und arbeite als Web-Entwicklerin in Frankfurt. Ich mag Webdesign, Fotografie, mein iPhone, Cookies und Latte Macchiato.

Du möchtest keinen Beitrag mehr verpassen und alle direkt in dein Mail-Postfach geschickt bekommen? Kein Problem! (Es gibt keinen Spam, versprochen!)

Alternative: RSS-Feed via Feedly